Die Kerstranke-Geschichte: Kerstranke tritt in die Geschichte. Wir befinden uns in der Stadt Halberstadt und schreiben das Jahr... ...nennenswert ist die Ceciliennacht, die Nacht vom 22. zum 23. November! In dieser Nacht geriet die Stadt Halberstadt in größte innere Unordnung. Einige der Ratsherren, so der Kämmerer Henning Adesleben, der Rydeherr Hermann Quenstedt, der ehemalige Bürgermeister und frühere Ratsherr Gebhard Ammendorf, der Stadthauptmann Ludolf von Marnholt und einige andere, die den reichsten Geschlechtern der Stadt angehörten, besetzten das Rathaus. Das geschah in der Absicht, ihnen nicht genehme Ratsherren ihres Amtes zu entheben und selbst die ganze Regierungsgewalt zu ergreifen. Dieses Tun blieb nicht verborgen. Die Burmeister von Halberstadt, die bei Tag und bei Nacht für die Sicherheit der Stadt zu sorgen hatten, entdeckten den Vorgang und handelten sogleich. Es stand in ihrer Macht, mit ihrem Signal die Nachbarschaften, die Viertel der Stadt, zum bewaffneten Widerstand zu rufen. Und von dieser Möglichkeit machten sie auch Gebrauch. Sie führten die bewaffneten Bürgeraufgebote vor das Rathaus und fassten die Aufrührer, soweit sie ihrer habhaft werden konnten. Einige wurden am nächsten Tag wegen des Verstoßes gegen Ruhe und Sicherheit vor Gericht gestellt und geköpft. Die anderen waren noch im Dunkel der Nacht über die Stadtmauern entkommen. Zu letzteren gehörte Gebhard Ammendorf. Er entstammte einem der vornehmsten Geschlechter der Stadt. Und er war einer der bekannteste Unruhestifter. Die genannten Geschehnisse entfachten die Volkswut. Die Handwerkergesellen, vor allen die Schuhmachergesellen, die arbeitslosen Gesellen sowie die Stadtarmen zogen durch die Straßen und fielen plündernd über die Häuser der gefangenen und geflüchteten Aufrührer her. Und sie entwendeten u.a. auch Kerstranke! Die Schicht hat Matthias Hadeber an die Macht gebracht. Seiner Körpergröße wegen nannte man ihn auch “Langer Matz”. Er ließ die Güter reicher Gegner an die Armen verteilen. Auch so kam der Kerstranke in den Besitz des Volkes! Der bereits genannte Gebhard Ammendorf überlebte diese Wirren außerhalb von Halberstadt. Nach der Unterwerfung der Schicht im Jahr 1425 erinnerte er sich noch sehr gut der Ereignisse. Und er dachte daran, eine möglichst große Entschädigung für seine verlorenen Güter durchzusetzen. Zu diesem Zweck strengte er eine gerichtliche Klage an. In den dazu gehörenden umfangreichen Prozessakten finden wir den sicheren Beleg für Kerstranke! In einer Urkunde vom 14. März 1427 schreibt Gebhard: Der durch die Schicht an die Macht gekommene neue Rat hätte beliebige Leute in sein Haus und seinen Hof gesetzt und diese hätten “myn mel, myn fleisch, myn getreidich, myn getrenke, an wynen kerstranke unde an byre,...” (mein Mehl, mein Fleisch, mein Getreide, meine Getränke, so Weine, Kerstranke und Biere) verbraucht. |